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Kirchenvorstand

 

Der Kirchenvorstand: Was ist er, was tut er, wie wirkt er?

 

Das rechtliche Fundament

Der neugefaßten Kirchengemeindeordnung vom 6. April 2006 kann man die wesentlichen rechtlichen Bestimmungen  über den Kirchenvorstand entnehmen. Es zeigt sich sogleich,  dass es sich um ein Gremium mit vielfältigen Aufgaben und Verpflichtungen handelt. Jede evangelisch-lutherische Gemeinde in Bayern hat einen Kirchenvorstand, der sie nach innen und außen vertritt. „Er hat um die Erfüllung ihrer Verpflichtrungen besorgt zu sein und ihre Rechte zu wahren, “ so die Ordnung.

Wichtig ist dabei das Zusammenwirken mit den Pfarrerinnen und Pfarrern, wobei auch theologisch geistliche Fragen, wenn sie für die Gemeinde wichtig sind, mit dem Kirchenvorstand zu besprechen sind. Im allgemeinen werden als Aufgaben eines Kirchenvorstandes definiert:

Über die Gestaltung von Gottesdiensten, kirchlicher Unterweisung und den Gebrauch der Gebäude zu beraten und zu beschließen; an der Wahrung der „rechten Lehre“  mitzuwirken, die kirchliche Ordnung zu erhalten und Streitigkeiten und Differenzen in der Gemeinde in brüderlichem und schwesterlichem Einvernehmen beizulegen. Dies ist in Zabo glücklicherweise selten nötig.

In Festsetzung und ggbflls Reform der Sprengelordnung in der Gemeinde und die Unterstützung der diakonischen Aufgaben und der verschiedenen Gruppen und haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden  gewinnen diese Aufgaben näheres Profil.

Auch auf vermögensrechtlichem Gebiet und in Rechtsgeschäften hat der Kirchenvorstand wichtige Funktionen. Was die Finanzen angeht, wird er vom Kirchenpfleger (in unserem Fall Frau Huemer) und dem Kirchengemeindeamt entscheiden unterstützt. Nicht zuletzt ist die Mitwirkung bei der Besetzung von Pfarrstellen eine entscheidende Aufgabe mit langfristiger Weichenstellung.

Gemäß der Anzahl der Gemeindeglieder (in unserem Fall bis zu 10.000) ergibt sich auch die Anzahl des Kirchenvorstandes: es sind bei uns zwölf, was die Erinnerung an die Jünger Jesu weckt und einen besonderen Charme hat. Die zum Dienst in der Gemeinde berufenen Pfarrerinnen und Pfarrer gehören ohnedies dem Kirchenvorstand an. Sie sind in der Rechtssprache „geborene Mitglieder“.

Auch die Amtspflichten, die während der sechsjährigen Legislatur einzuhalten sind, sind ethisch klar definiert: Bindung an Schrift und Bekenntnis, christlicher Lebenswandel, Verschwiegenheit, ehrenamtliche Ausübung der Kirchenvorstandtätigkeit. Nicht zu unterschätzen ist auch, dass Ersatzleute bereit stehen, die im Fall des Ausscheidens eines Kirchenvorstehers  oder einer Kirchenvorsteherin aufgrund von Wegzug, Tod oder Krankheit (in einer Reihenfolge, die sich nach dem letzten Wahlergebnis bemißt) nachberufen werden.  Die Vertreterinnen und Vertreter werden bei uns mit verpflichtet und regelmäßig eingeladen.

Der Kirchenvorstand wählt aus seiner Mitte einen Vertrauensmann/Vertrauensfrau und ihren Stellvertreter, die Vertrauenspersonen sowohl für Pfarrerinnen und Pfarrer als auch für die anderen Kirchenvorstände sind und eine gewisse repräsentative Funktion haben. Einmal im Monat finden die Sitzungen statt. Sie sind, außer bei Personalien, prinzipiell öffentlich. Doch können auch bestimmte Themen für nicht-öffentlich erklärt werden. Beschlußfähig ist der Kirchenvorstand, wenn die Mitglieder „ordnungsgemäß eingeladen sind und mehr als die Hälfte der stimmberechtigten Mitglieder anwesend sind“.

 

Das Wirken

Soweit das rechtliche Fundament. Es ist Grundlage für alles weitere. Doch es muss mit Leben erfüllt werden. Dies geschieht in Zabo durch die auf der Nebenseite abgebildeten zwölf Persönlichkeiten in sehr schöner Weise. Fast alle Altersgruppen von Anfang zwanzig bis in das achte Lebensjahrzehnt sind vertreten. Ebenso sind unterschiedliche Berufsgruppen präsent: Beamte, Richter, IT-Spezialist, Arzthelferin und künftige Ärztin, Philosophieprofessor, Märchenerzählerin und vieles mehr: wie ich finde, eine sehr interessante und vielseitige Mischung, die auch einen Querschnitt durch die Gemeinde in Zabo repräsentiert.  Doch jeder und jede ist für sich überzeugt, überzeugend, leidenschaftlich um die Sache bemüht. Einmal im Monat kommen wir am Mittwoch abend zur Sitzung zusammen. Auf Freizeiten findet man einmal im Jahr Gelegenheit, ausführlicher miteinander zu sprechen. Daraus können sich tiefe lebenslange Freundschaften entwickeln.

Die verschiedenen beratenden und beschließenden Ausschüsse (am wichtigsten vielleicht der Jugend- und der Bauausschuss) entlasten den Kirchenvorstand und berichten regelmäßig. Auch in Dekanats- und Prodekanatssynode haben wir unseren Mann oder unsere Frau, die regelmäßig Bericht erstatten.

Seit ich im Herbst 1995 in den Kirchenvorstand nachberufen wurde, habe ich verschiedene Kirchenvorstände erlebt. Alle waren sie profiliert und klug, jeder war anders.  Alle waren sie Zabo verbunden, doch mit dem Blick über den Tellerrand.

Es ging in all jenen Jahren keineswegs nur um  Verwaltung und die Sicherung  des Status quo, auch wenn man diese Aufgaben nicht unterschätzen darf. Die Gebäude zu halten, die Finanzen in angemessener Weise zu fördern und zu mehren, mit einem Blick über den Tag hinaus- das ist fundamental. Dazu bedarf es auch eines mittel- und längerfristigen Blicks.  Mitunter gab es aber auch grundsätzliche Diskussionen, in denen es um Fragen von Kirche und Gesellschaft geht, die auch uns am Ort betreffen. Große und kleine Welt hängen zusammen und dies spiegelt sich auch in einem – guten - Kirchenvorstand. Mein Vater berichtet von den heißen Debatten zu Zeit der Friedensbewegung. All diese Diskussionen, auch die kontroversen, wurden in den Kirchenvorständen, denen ich angehörte, mit Fairness, ja zumeist in Freundschaft geführt, in einem christlich menschlichen Einvernehmen, das auch trägt, wenn man im einzelnen übereinstimmt. Der Konsens ist die Grundlage eines jeden Kompromisses.

Unterschiedliche Längen hatten die Sitzungen: in bewegten Zeiten konnte es bis über Mitternacht hinausgehen. Dann wird es quälend und solche gedehnten Sequenzen sind nur sehr selten nötig. Hier hilft das Wort des bayrischen Philosophen und Komikers Karl Valentin: „Es ist alles gesagt, aber noch nicht von allen!“.  Eine straffe, gezielte Sitzungsleitung ermöglicht zumeist eine Sitzungsdauer von 2 ½ bis 3 Stunden. Und jede Kirchenvorstandssitzung wird mit einer Andacht von einem Mitglied (oder von Pfarrerin oder Pfarrer) eröffnet und mit einem Segen beschlossen. Eine besonders schöne Sitte ist bei uns durch Herrn Dürschner eingeführt worden: dass nämlich an den Geburtstag jedes Mitglieds mit einem kleinen Geschenk und einem gemeinsam gesungenen Lied gedacht wird.

Es ist gut, dass es im Kirchenvorstand Kontinuitäten gibt: Mitglieder mit längeren Amtszeiten wissen vieles und sind eine Art lebendiges Gedächtnis. Legendär waren in Zabo Studiendirektor a.D. Jakob in den siebziger und achtziger Jahren und mein hoch verehrter Vorgänger als Vertrauensmann und Prädikant Dr. Ernst Heizmann (+ 1997).

Doch ebenso wichtig ist der Wechsel und dass auch die jüngere Generation angemessen vertreten ist.

Es ist eine Freude- und Ehre- im Kirchenvorstand zu sein. Aber es ist auch ein wichtiger Dienst.  Ansprechbar sind wir für alle Belange aus der Gemeinde und darüber hinaus.

 

 

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