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Die Gemeinde in der Zeit des Kirchenkampfes

 

In ihrer neuen Kirche hatte also die Gemeinde nunmehr eine sichtbare Mitte ihres kirchlichen Lebens bekommen, das sich in der Folgezeit erfreulich weiterentwickelte. Zu den gutbesuchten Gottesdiensten in der Notkirche traten allsonntäglich die recht beliebten Waldgottesdienste neben dem Valznerweiher. Die Kindergottesdienste waren im Durchschnitt von 100 Knaben und Mädchen besucht. Auch die Bibelstunden hatten meist sehr guten Besuch.

Die schlecht getarnte Kirchenfeindlichkeit des neuen Regimes im Deutschland des Jahres 1933 hatte zur Folge, dass eine Evangelisationswoche vom 3. bis 10. Dezember 1933 mit Pfarrer Senior Arold aus Rüdenhausen äußerst guten Zuspruch hatte.

Der durch Kantor Brecheis von St. Egidien am 7. November 1929 ins Leben gerufene Kirchenchor verschönte auch weiter bei festlichen Anlässen die Gottesdienste und andere Veranstaltungen der Gemeinde und trat auch öfters mit allseits begrüßten musikalisch-gesanglichen Feierstunden hervor.

Auch der am 5. März 1931 gegründete Gemeinde- und Diakonieverein Zerzabelshof baute seine Betreuung der Kranken und der Armen ständig weiter aus. Nachdem die früher auf die Mögeldorfer Diakoniestation angewiesene Gemeinde am 24. Okt. 1928 eine eigene Gemeindeschwester in der Person der Neuendettelsauer Diakonisse Elisabeth Meringer bekommen hatte, die nacheinander bei verschiedenen Familien in Zerzabelshof wohnte und ab 1. September 1931 jeweils eine Helferin aus dem Kreis der Probe-bzw. Hilfsschwestern an die Seite gestellt bekam, hatten diese beiden Schwestern ab November 1934 eine selbständige Wohnung im Hause Waldluststraße 127.

Seit August dieses Jahres 1934 brachte der Kirchenkampf, den die sog. Deutschen Christen mit wohlwollender Duldung und heimlicher Unterstützung der Staatspartei in die evangelisch-lutherische Kirche Deutschlands hineingetragen hatten, viel Unruhe in die Gemeinde. Äußeres Symbol dieser antichristIichen Tendenz war die Errichtung einer germanischen Irminsäule am Platz der Omnibusendstation im Jahre 1934 anstelle einer Hitlereiche des Jahres 1933. Schon im September fanden die ersten Bekenntnisgottesdienste statt. In der Gemeinde wurde ein Bruderrat gewählt, der aus den Herren Christian Zahn, Otto Strunz und Christian Bräuhäuser bestand.

Mit dem 28. September 1934 wurde das Vikariat Zerzabelshof von der Muttergemeinde Mögeldorf gelöst und in ein selbständiges exponiertes Vikariat umgewandelt, was die Wahl eines eigenen Kirchenvorstands notwendig machte. Bei der Wahl vom 28. Oktober 1934 wurden als Kirchenvorsteher gewählt: Johann Hofmann, Georg Weiß, Munker Senior, Emil Rettig, Fritz Schneller, Christian Zahn, Christian Bräuhäuser, Adolf Grafenberger, Paul Wolter, Otto Strunz. Der Kirchenvorstand Zerzabelshof ist zugleich Kirchenverwaltung.

Am 23. Februar 1935 begann man mit der Sammlung der Bekenntnisgemeinschaft, der sämtliche Kirchenvorsteher sogleich beitraten. Christian Zahn wurde zum Leiter der Bekenntnisgemeinschaft berufen; zugleich wurde er auch zum Schulungsleiter für Männerabende ernannt. Am 1. Mai 1935 löste Stadtvikar Max Borger Stadtvikar Rudolf Schmidt an der Spitze der Gemeinde ab, und er baute eine Reihe von Initiativen umsichtig weiter aus, die schon sein Vorgänger eingeleitet hatte. Am 3. Mai 1935 fand der erste Männerabend statt; der daraus entwickelte Männerkreis traf sich zunächst jede Woche einmal und später alle 14 Tage zu einer Bibelstunde. Auch die bereits von Stadtvikar Schmidt eingeführten Mütterabende wurden rege weitergeführt. Schließlich gab Stadtvikar Borger den von seinem Amtsvorgänger Schmidt hektographiert von Zeit zu Zeit herausgebrachten Gemeindeboten ab Juni 1935 regelmäßig jeden Monat gedruckt heraus, den die bereits im März 1935 neuorganisierte Gemeindehilfe allen evangelischen Familien ins Haus brachte.

Trotz allen Drucks seitens der Hitlerjugend, die auch die kirchlichen Jugendverbände in ihre Reihen zu integrieren suchte, konnte sogar die Arbeit an der jungen Gemeinde erfolgreich ausgebaut werden. Auf dem Kirchenplatz wurde im Lauf des Sommers 1935 eine Jugendhütte errichtet und zwar besonders durch freiwillige Arbeitsleistung einer Reihe von Männern der Gemeinde. Die nett eingerichtete Hütte diente vor allem der männlichen und weiblichen Gemeindejugend als Versammlungsraum bei ihren allwöchentlichen Zusammenkünften.

Das Jahr 1936 brachte für Zerzabelshof einen weiteren äußeren Aufschwung. Nachdem sich zwischen Regensburger- und Valznerweiherstraße die sog. K.d.F.-Stadt mit ihren wuchtigen Versammlungshallen der einzelnen deutschen Gaue ausgebreitet hatte, wichen auch die Felder längs der Zerzabelshof-und der Komotauerstraße neuen schmucken Einzel-und Reihenhäusern, womit der Stadtteil endgültig an die Südoststadt herangewachsen war.

Die Gemeinde ließ sich aber dadurch keineswegs von ihren Aufgaben weltweiter christlicher Nächstenliebe ablenken. Ende September 1936 wurden auch in Zerzabelshof die Freunde der Neuendettelsauer Missionsarbeit in einer Missionsgemeinde zusammengefasst, und in die einzelnen Familien wurden schließlich Missionssammelbüchsen gegeben. Aus einer erneuten Evangelisationswoche vom 14. bis zum 21. Februar 1937 in der Kirche mit Pfarrer Kübler, Roth, ging eine Gebetsgemeinschaft hervor, die sich seit dem 27. Februar 1937 jeden Samstagnachmittag um 16.00 Uhr im Bibelstundenraum der Kirche zusammenfand.

In diesem Jahr 1937 vollzog sich ein vielfacher Wechsel. Am 1. Juni 1937 wurde Bruder Wilhelm Klughardt als Gemeindediakon, Organist und Dirigent des Kirchenchors angestellt, womit die jahrelange segensreiche Dirigenten-und Organistentätigkeit des Stadtkantors Brecheis und seiner Tochter, Frau Eckart, ein Ende fand.

Am 20. August 1937 wurde schließlich das Exponierte Vikariat Zerzabelshof zum Evangelisch-Lutherischen Pfarramt Zerzabelshof erhoben. Am 1. September 1937 kam Stadtvikar Konrad Blos als Pfarrverweser nach Zerzabelshof. Der scheidende Pfarrer Borger schenkte der Gemeinde einen Schriftenkasten, auf dem volksmissionarische Schriften zum Verkauf aufgelegt waren.

Nachdem die Geistlichen der Gemeinde seit 1. Mai 1928 stets bei Gemeindegliedern als Untermieter gewohnt hatten, war der Kirchenvorstand seit dem Frühjahr 1937 ernstlich bemüht, dem neuen Pfarrherrn eine eigene Wohnung bereitzustellen. Da sich dem ursprünglich auf dem Kirchenplatz geplanten Neubau eines Pfarrhauses zu große Schwierigkeiten entgegenstellten, wurde auf Antrag des Kirchenvorstandes von der Gesamtkirchenverwaltung am 29. September 1937 einstimmig beschlossen, ein im Rohbau hergestelltes Wohnhaus an der Kolerstraße als Pfarrhaus käuflich zu erwerben und fertigzubauen. Es sollte bis zum 1. November 1937 beziehbar sein, und spätestens bis zu diesem Zeitpunkt sollte auch der erste „wirkliche“ Pfarrer in Zerzabelshof einziehen.

 

Die Ära Dr. Günther Eichner (1938 bis 1974)

Einstimmig wählte im September 1937 der Kirchenvorstand den bisherigen Inhaber der 3. Pfarrstelle in Feuchtwangen, Herrn Pfarrer Dr. Günther Eichner, als ersten Pfarrherrn der Gemeinde. Sein unerschrockenes Eintreten für eine unverfälschte evangelisch-lutherische Kirche hatte ihm schon an seiner alten Wirkungsstätte die Missgunst gewisser staatlicher Stellen eingebracht, und die nationalsozialistische Regierung versagte deshalb auch hier über eineinhalb Jahre hinweg die Zustimmung zu der Wahl des Kirchenvorstands. Doch auch ohne ordnungsgemäße Installation machte sich Dr. Eichner 1938 an den weiteren Ausbau des Gemeindelebens. Mit Freude begrüßte die Gemeinde die zwei Schwestern Babette Herold und Martha Kühner. Nach einer Pause von eindreiviertel Jahren brachte Dr. Eichner im Mai 1939 wieder einen Gemeindeboten heraus, „als einigendes Band um die Gemeinde wie vorher“.

 

Lesen sie mehr zur Geschichte der Auferstehungsgemeinde im Artikel "Der zweite Weltkrieg und die Gemeinde"

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